Arms & Armour of India, Nepal & Sri Lanka – Types, Decoration and Symbolism

Arms & Armour of India, Nepal & Sri Lanka – Types, Decoration and Symbolism

 

Autor/en:        Ravinder Reddy

Verlag:           Hali Publications Ltd.

Erschienen:    London 2018

Seiten:            388

Buchart:         Hardcover mit Goldprägung

Preis:              GBP 55,00

ISBN:             978-1898113-85-0

Kommentar:  Michael Buddeberg

 

Wirklich sicher ist sich Ravi Reddy nicht, aber als These lesen wir ganz am Anfang seines Buches über Waffen und Rüstungen des indischen Subkontinents, dass keine andere Region dieser Welt an die Vielfalt unterschiedlicher Typen von Waffen heranreicht, wie man sie dort findet. Da es ersichtlich keine vergleichende Untersuchung zu diesem Thema gibt, sei diese These hier nicht weiter vertieft. Immerhin aber ist etwa der Ankus, ein mit Spitze, Schneide und Haken versehenes schweres Gerät zum Lenken und Antreiben von nicht nur Kriegselefanten, tatsächlich nur aus Indien bekannt und auch die eigentümliche Griffgestaltung des Katar, die einen Dolch zur gefährlichen Stosswaffe macht, gibt es nur in Indien. Auch in einer ganz anderen Disziplin, der kunsthandwerklichen Ausführung und Dekoration von Dolch, Schwert und anderem Kriegsgerät, gebührt den indischen Waffenschmieden und Metallhandwerkern (gewiss) ein Spitzenplatz im internationalen Vergleich. Indiens Reichtum an edlen Metallen und kostbaren Steinen hat nicht nur seit jeher die Herstellung von Schmuck beflügelt, sondern auch das Design und den Dekor von Waffen geprägt.

Der Autor des Buches ist ein Glücksfall für dieses Thema. Als in den USA tätiger Psychiater, Lehrer und Schriftsteller ist er nicht nur in der indischen und westlichen Welt gleichermaßen zu Hause; als Kenner und Liebhaber indischer Kunst und Kultur, vor allem aber als leidenschaftlicher Sammler indischer Waffen, ist er wie kein anderer berufen, dieses Thema zu bearbeiten. Seine Absicht, eine Einführung zu diesem komplexen Sammelgebiet vorzulegen, eine Einführung, die sowohl der puren Funktionalität der Waffen Rechnung trägt, die die Vielfalt und Qualität ihrer handwerklich-künstlerischen Ausführung zeigt, aber auch ihre verborgene Spiritualität und symbolische Bedeutung offenlegt, ist glänzend gelungen. Wesentliche Grundlage für diesen Erfolg ist eine zwar knappe aber durch reiches und phantasievolles Illustrationsmaterial anschaulich gemachte Geschichte Indiens von den frühen Kulturen bis zu der Zeit als Indien Teil des britischen Commonwealth war. Das Entstehen und Vergehen von Dynastien, von Königreichen und von Kulturen ist stets begleitet von Intrige, Krieg und Waffengeklirr. Schon die großen indischen Epen Mahabharata und Ramayana sind voll der narrativen Schilderungen kriegerischer Auseinandersetzungen und wie sie ausgetragen wurden. Vergleichbare Waffengänge, Eroberungen, Niederlagen, Grenzstreitigkeiten, Fehden und Belagerungen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte Indiens. Dies, die religiöse und ethnische Vielfalt und häufig wechselnde Grenzen und Machtverhältnisse sind der Boden, auf dem die reiche indische Waffenkultur gedieh.

Der zentrale Teil des Buches ist nach Waffentypen gegliedert. Der großen und außerordentlich vielfältigen Gruppe der Kurzwaffen oder Dolche folgen die Schwerter und Speere, Äxte und Streitkolben, Bögen und Pfeile, um schließlich mit Feuerwaffen, Gewehren und Pistolen und dem hierzu erforderlichen Zubehör im 19. Jahrhundert zu enden. In dem sich anschließenden Rüstungsteil liegt der Schwerpunkt bei den phantasievoll gestalteten Helmen und reich bemalten Schilden. Ein knapper Exkurs widmet sich dann den eher urtümlichen Waffen eingeborener Stämme, insbesondere aus Nagaland, bevor besondere Waffentypen und Gestaltungsvarianten aus Nepal und aus Sri Lanka den Parforceritt durch die Waffen und Rüstungen des Subkontinents beschließen. Wesentlich für die Wertschätzung und das Verständnis der indischen Waffenkultur sind die sich anschließenden Kapitel über die Vielfalt und hohe Qualität der Dekorationstechniken und vor allem über deren oft versteckten und meist aus der hinduistischen Götterwelten abgeleiteten Symbolismus. Aufwändiger Metallschnitt, feinste Ziselierarbeit, vor allem aber die „Koftgari“ genannten Inkrustation von Eisen oder Stahl mit Gold und Silber sind beliebte und von den indischen Kunsthandwerkern zu unglaublicher Perfektion entwickelte Metallbearbeitungstechniken. Bunter Emaileschmuck, die reiche Verwendung von edlen Steinen, meist Rubine, Smaragde und Diamanten, gefasst in der dekorativen und nur in Indien praktizierten Kundantechnik, vervollständigen das Arsenal der Dekormöglichkeiten. Mit ihnen verliehen die Künstler den Waffen über ihre reine Funktion hinaus eine Seele und eine religiöse, mystische oder magische Bedeutung. Schriftzeichen, Symbole, und Figuren, Götterwesen und mythische Kreaturen verweisen auf Vishnu, Shiva, Lakshmi und viele andere hinduistische Gottheiten. Der Autor versteht es meisterhaft, diesen aber auch den buddhistischen oder islamischen Bedeutungshintergrund der Dekore aufzuschlüsseln.

Was sonst im Anhang wissenschaftlicher Publikationen bestenfalls einige Seiten füllt wird in Ravi Reddys Buch zum grandiosen Finale: Das Glossar. Über einhundert Seiten erstreckt sich ein illustriertes Glossar, alphabetisch geordnet nach den indischen Bezeichnungen der unterschiedlichen Waffentypen und ihren Variationen. Neben meist mehreren typischen Beispielen werden mit Schemazeichnungen auch die Bestandteile, Maße, Herkunft, Zeitalter und die typischen Materialien erläutert. Detailaufnahmen zeigen Besonderheiten und zusätzliche Illustrationen den praktischen Gebrauch. Mit dieser wunderbaren Idee und deren perfekten Umsetzung wird das Buch endgültig für jeden Sammler, Liebhaber, Händler, Auktionator und sonst an Waffen Interessierten zum unentbehrlichen Handbuch. Auch die abgebildeten Waffen – es sind mehrere Hundert, die vorzüglich und oft mit zusätzlichen Detailaufnahmen zu sehen sind – vermitteln einen wahrhaft repräsentativen Überblick. Sie stammen zu einem großen Teil aus der sehr bemerkenswerten Sammlung des Autors, aus weiteren privaten Sammlungen einschließlich der Royal Collection of Her Majesty Queen Elizabeth und aus bedeutenden Museen, von denen das Metropolitan Museum of Art, das Victoria & Albert, das British Museum und die David Collection hier nur als Beispiele für viele weitere genannt sein sollen.

 

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